Die anthroposophische Medizin ist nicht jedermann geläufig, doch einer der interessantesten Heilansätze in der modernen Medizin. Im ersten Moment erscheint das Therapiesystem recht umständlich und verwirrend, doch wir helfen Ihnen dabei, den Medizinzweig zu verstehen. Nehmen Sie sich nämlich etwas Zeit und befassen sich damit, erkennen Sie, dass die anthroposophische Medizin mehr ist als einfach und nur einer von vielen Heilansätzen.

Anthroposophische Medizin – Das steckt dahinter

Die Gründung der anthroposophischen Medizin lässt sich auf das Jahr 1920 datieren. Es handelt sich um ein interdisziplinäres, jedoch alle medizinischen Berufsgruppen umfassendes Therapiesystem. Es wurde im Rahmen der integrativen Medizin entwickelt und befasst sich dabei mit etlichen Aspekten. Angefangen mit naturbasierten Medikamenten, die äußerlich sowie innerlich angewendet werden.

Dazu kommen etliche innovative Techniken der Krankenpflege sowie die diversen Körpertherapien, wie beispielsweise rhythmische Massagen. Aber auch die Eurythmietherapie ist vertreten, genauso wie künstlerische Therapien, wie Malen, Tanzen oder Musik. Das bedeutet, die anthroposophische Medizin arbeitet sowohl psychotherapeutisch als auch biographiebezogen.

Die Philosophie der Medizin

Im Vergleich zu anderen Therapien unterscheidet sich bereits die Philosophie hinter der anthroposophischen Medizin. Das bedeutet, dass Ihr Körper in drei Bereiche aufgeteilt wird. Zunächst die Nerven-Sinnesorganisation, welche im Kopf stattfindet. Das bedeutet, der erste Bereich befasst sich mit dem Nerven-Sinnes-System, also allen Sinnesorganen. Der zweite Bereich fasst alle Stoffwechselvorgänge zusammen.

Darunter die Schwerpunkte Bewegungs- und Verdauungsapparat. Zum Schluss gibt es noch den Bereich, welcher sich mit den rhythmischen Vorgängen beschäftigt. Die anthroposophische Medizin geht aber noch sehr viel tiefer. Die Philosophie dahinter ist also, dass jeder Körper aus mehreren Bereichen besteht, die individuell angesprochen werden müssen, um ein ganzheitliches Ergebnis zu erzielen.

Der erste Bereich

Der erste Bereich wird auch als Kopfbereich oder oberer Pol bezeichnet. Er ist für die sphärische Gestaltung zuständig. Im Kopf befindet sich das Nerven-Sinnes-System und die damit verbundenen Sinnesorgane. Insofern beschäftigt sich der erste Bereich mit den Grundlagen des Denk- und Vorstellungsvermögens. Vor allem, wenn Sie wach sind, erhalten Sie die Möglichkeit, mit sich und der Umwelt zu kommunizieren.

Zu erwähnen ist, dass zwar im gesamten Körper verschiedene Nerven und Sinne auf die Umgebung reagieren, doch jene Impulse werden erst im Kopf verarbeitet. Deshalb siedelt die anthroposophische Medizin den ersten Bereich dort an.

Der zweite Bereich

Der untere Pol ist auch als Gliedmaßen-Abdominalbereich bekannt. Das Besondere am zweiten Bereich ist, dass er sich mit der Energie- und Substanzbereitstellung beschäftigt und zugleich die diversen Stoffwechselvorgänge überwacht. Aber auch innere und äußere Bewegungen fallen unter diesen Bereich. Ein Fokus beschäftigt sich mit den resorptiven Vorgängen innerhalb der Darmwand.

Jene sind mit entzündlichen Prozessen zu vergleichen. Natürlich durchzieht das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System den gesamten Körper, vor allem die untere Hälfte. Die anthroposophische Medizin bezeichnet diesen Bereich auch als Grundlage für das „Wollen“.

Der dritte Bereich

Die oberen und unteren Pole zeigen sich völlig gegensätzlich. Dazwischen befindet sich das rhythmische System, der letzte Bereich der anthroposophischen Medizin. Das System wird auch als der rhythmische Mensch bezeichnet und befasst sich vor allen mit dem Herz und der Lunge. In diesem Bereich kommt es zum „Fühlen“. Außerdem wird durch die rhythmischen Organe verhindert, dass es zur einseitigen Ausrichtung des Körpers kommt. Im Grunde dient der dritte Bereich als Balance.

Anthroposophische Medizin – Die 4 Wesensglieder

Neben den drei Bereichen liegen noch vier Wesensglieder vor, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Zunächst haben Sie den psychischen Körper, welcher den Regeln der Chemie sowie Physik unterliegt. Daraufhin folgt der ätherische Körper. Er benötigt das Wachstum, die Regeneration, Ernährung sowie Fortpflanzung. Das dritte Wesensglied ist der Astralleib, die anthroposophische Medizin bezeichnet ihn auch als „Seelenleib“.

Er ist der Träger des Bewusstseins und aller Emotionen, im Grunde der Seele. Abschließend gibt es noch das „Ich“. Mit seinem Bewusstsein von sich selbst macht sich die Person zu einem Menschen.

Die Anwendungsgebiete der Medizin

Anwendungsgebiete der anthroposophischen MedizinDie Behandlung durch die anthroposophische Medizin fällt recht unterschiedlich aus, wobei immer eine Harmonie zwischen den vier Wesensglieder hergestellt werden muss. In der Regel besteht das System deshalb aus zwei Seiten: Auf der einen Seite haben Sie diverse Naturheilmittel, die mit tierischen, pflanzlichen als auch mineralischen und metallischen Substanzen arbeiten.

Auf der anderen Seite haben Sie eine nicht-medikamentöse Behandlung. Diese kann aus einer Kunsttherapie, Ernährungslehren, rhythmischen Massagen oder ähnlichem bestehen. Da die Ansätze der Medizin sehr unterschiedlich ausfallen, gibt es ein breites und umfangreiches Anwendungsgebiet. Häufig kommt das System bei chronischen Erkrankungen zum Einsatz, doch auch bei akuten Beschwerden.

Selbst schwerwiegende Krankheiten, wie HIV oder psychische Störungen, profitieren von den Ansätzen. Wichtig: Es handelt sich meist um eine begleitende Therapie. Die anthroposophische Heilkunde ersetzt also nicht die klassische Schulmedizin.

Zusammenfassung

Die Ansätze der anthroposophischen Medizin sind von Körper, Geist und Seele bestimmt. Dabei will die Therapie genau diese drei Bereiche des Körpers in Einklang bringen und dadurch die nötige Behandlungsgrundlage schaffen. Dabei ist die anthroposophische Medizin sehr umfangreich, wie durch diverse Therapien und Medikamente der Naturheilkunde bewiesen. Jedoch sollten Sie sich nicht selbst therapieren, sondern beraten Sie sich mit einem Fachmann.

Ebenfalls wichtig ist, dass die anthroposophische Medizin nicht die herkömmliche Schulmedizin ersetzt. Viele Krankheiten können allein durch die Ansätze des anthroposophischen Systems nicht geheilt werden. In den meisten Fällen wird zu einer Kombination der beiden Therapieansätze geraten. Es gibt aber auch einige Erkrankungen, die von den verschiedenen Methoden der anthroposophischen Medizin profitieren.